Deutschland

Der Start in unsere Reise ließ sich als perfekt beschreiben. Das Wetter ist gut und die Sonne scheint. Es ist ein gutes Gefühl zu wissen die nächsten Tage nur von dem zu Leben was man selbst am Fahrrad trägt. Der Tag verläuft reibungslos, wir kommen gut voran und alles entspricht unserem vorher erstellten Zeitplan. Um 13 Uhr beginnt die Energie und Motivation etwas zu sinken aber nach einer ergiebigen Pause geht es gestärkt weiter. Die letzte Aufgabe für heute sollte nun noch die Suche eines Schlafplatzes sein.

Garnicht so einfach wie wir dachten, als wir feststellen, dass so gut wie jede Rezeption eines Campingplatzes zwischen 17-18 Uhr schließt. Nachdem auch die Brücke die uns zu unserem Platz führen sollte gesperrt ist heißt es, 19 km in höchstens einer dreiviertel Stunde zu fahren, nachdem wir bereits 100km hinter uns hatten. Sobald wir unser Zelt aufgebaut hatten und uns nun sehnlichst auf eine warme Nudel-Mahlzeit freuten, stellen wir zu dem leider fest, dass die Gaskartusche nicht auf unseren Kocher passen sollte, also keine warme Mahlzeit. Stattdessen allerdings Brötchen mit Pesto, auch nicht schlecht.

Nach ein paar Tagen wird auch die Suche des Schlafplatzes geübter. So bleibt es nicht nur bei Campingplätzen sondern auch bei dem ein oder anderen „kostenlosen“ Plätzchen im Wald. Auch hier gilt Obacht einen vernünftigen Platz zu finden bei dem nicht der Förster morgens seine tägliche Runde dreht, aber Glück gehabt und gerade so davon gekommen.

Der körperliche Verfall

Die Sonne scheint viel und mit Sonnencreme ist kaum hinterher zu kommen. Es kommt mir so vor als würde nichts diese Sonnenstrahlen aufhalten. Alles was also nicht bedeckt wird verbrennt. Der Gedanke, dass wir uns noch in Deutschland befinden und es in Belgien und Frankreich noch viel heißer sein wird ist etwas beängstigend allerdings alternativlos. Auch der Körper fängt nach einigen Tagen an kleine Wehwehchen zu haben, so kommt a Tag zwei zum erstmal die unverzichtbare „Arschcreme“ zum Einsatz.

Heißer und heißer…

Mir fällt auf, dass sich die Mentalität der Menschen von Tag zu Tag ändert. In Bremen sind die Menschen wahnsinnig nett doch kaum fahren wir mit der Fähre über die Weser denken die Menschen nicht mal daran zu grüßen, irgendwie verrückt. Unsere Route führt uns nicht selten Kilometer lang und vor allem Stunden lang an großen Bundesstraßen lang. Die sind wahnsinnig laut und ständig fahren große LKWs in einem beachtlich kleinem Abstand a die vorbei. Lange hielten wir das nicht aus.

Wir entschieden uns also die Route etwas ab zu ändern um zwar vielleicht ein paar mehr Kilometer zurück zu legen aber dennoch eine schöne Route zu fahren, was uns ebenso wichtig war. Wenn es dann allerdings doch nicht vermeidbar war an der Bundesstraße zu fahren kommen die Kopfhörer ins Ohr und es wird Musik gehört, das übertönt nicht nur Geräusche sondern motiviert auch ungemein. Heiß ist es trotzdem und das macht uns und unserem Körper ganz schön zu schaffen. Als wir auch Löningen hinter uns lassen richten wir unseren Blick langsam auf die Niederlande. Es wird immer heißer doch wir fahren weiter bei den momentan herrschenden Temperaturen von 37 Grad, was zum ganztägigen Fahrradfahren in der Sonne doch garnicht so eine gute Idee ist.

So wendet sich das Blatt…

Nachdem wir am Abend, nach 9 Stunden auf dem Sattel, unseren Campingplatz am Dreiländersee erreichen und feststellen, dass der gesamte Platz aus einer großen vollgestopften Wiese, die durch den von der Sonne braunen Rasen kaum noch als diese zu bezeichnen ist, ohne auch nur einen einzigen Baum, besteht, war mir nur noch zum weinen zu mute. Aus den Zelten neben uns türkische Musik von den anderen Nachbarn Deutschrap und wir mitten drin. Hinlegen und schlafen, leider keine Option, denn auch unser Zelt hat angenehme 38 Grad und als wäre das nicht schon schon genug, hatte sich selbstverständlich auch noch das Pesto in meiner gesamten Tasche + Klamotten ausgebreitet. Der erste Tag an dem ich wirklich am Ende bin. In solchen Momenten ist es gut eine zweite Person a seiner Seite zu haben die die Situation deutlich entspannt.

Aber wenigstens konnte der Campingplatz mit einer Pommessbude dienen, also schließen wir den Tag wenigstens schön, mit einer Pommes am See ab. An unserem letzte Fahrtag in Deutschland erreichen wir für uns einen Meilenstein, als wir den ersten Aldi Süd nach 5 Tagen erblicken. Unsere letzte Nacht in Deutschland verbringen wir auf einem sehr günstigen Campingplatz in Xanten und das direkt an einem kleinen Baggersee. Endlich ist auch mal Zeit um ein paar Sachen zu waschen denn das ist mittlerweile dringend nötig. 

Zur Etappe Niederlande