Belgien

Als wir unsere Reise von Xanten fortsetzen richtet sich unser Blick allmählich auf Belgien. Auch hier ist unser erster Eindruck hinter der Grenze nur bedingt gut. Die Straßen sind zunächst extrem schlecht. Fahrradwege gibt es nicht, allerdings ist auf der Straße ein schmaler Streifen mit weißer Markierung abgetrennt, was dann wohl unser Fahrradweg sein sollte.

Trockene Hitze…

In der Sonne lässt es sich mittlerweile kaum aushalten. Die Temperaturen erreichen 38 Grad ohne jegliche Luftfeuchtigkeit oder Wind, trockene, brennende Hitze. Auch die Wasservorräte gehen immer schneller leer so mussten wir immer mehr Pausen machen. An der Tankstelle bekommen wir eine Flasche Wasser für 2.50€ aber immerhin ist sie aus dem Kühlschrank und brühte nicht seit Stunden in einer schwarzen Trinkflasche.

Niederländisch, Französisch oder Deutsch?

Ich hatte mir ehrlich gesagt nie darüber Gedanken gemacht welche Sprache man in Belgien spricht aber spätestens jetzt war ich eher noch mehr verwirrt, denn in Belgien spricht man nicht nur eine Sprache sondern drei Amtssprachen und von diesen auch eher ein Mischmasch. Ein Mix aus Niederländisch, Französisch, hier und da ein Wort Deutsch und Flämisch. Je nachdem in welchem Teil des Landes du dich aufhältst variiert das aber auch noch. So ist auch das Einkaufen anders. Da dort so gut wie niemand auch nur einen Brocken English spricht oder versteht versuche ich mein Glück mit ein paar Brocken Französisch und irgendwie klappt das dann immer.

Zwischen Ziegen und Zirpen

Nachdem wir den ganzen Tag versucht haben den einzigen, auf unser Route liegenden, Campingplatz zu erreichten ruft uns die Nummer gegen Abend zurück. Am Telefon eine super herzliche Frau die gerade mit ihrer Familie aus dem Urlaub gekommen war. Verständigt wurde sich tatsächlich auf Deutsch, der Platz sollte eigentlich erst Morgen öffnen aber es wäre kein Problem würden wir auch heute schon komme. Dort angekommen begrüßte uns die super nette Familie.

Uns erwartete ein kleiner privater Campingplatz mit drei Plätzen und Mitten drin ein roter Bauwagen mit Dusche, Plumsklo und Waschbecken. In der Ferne hört man Ziegen die auf der Wiese grasen und zwischen den hohen Gräsern der Koppel waren nur die drei Plätze für das Zelt frei gemäht so schien die Abendsonne in warmen Farben durch das Gras. Wir schlugen unser Zelt unter dem einzigen Baum dieser Wiese auf unter dem tatsächlich grünes Gras wuchs. Das hatten wir seit Tagen nicht mehr gesehen. So endete der Abend wohlverdient paradiesisch.

Ganz im Gegensatz zum nächsten Tag, denn dieser begrüßt uns um 7 Uhr mit bereits 26 Grad. Es dauert nicht lang bis die Hitze auch die 38 Grad Marke knackt, so kamen wir überhaupt nicht voran und legen stattdessen immer mehr Pausen ein. Der Kopf ist dick und der Körper müde. Wir beschließen also in der Nacht zu fahren und dafür den Tag über nur ein paar Kilometer zurück zu lassen.

Gutes Bier?

In unser Pause gesellt sich ein Mann zu uns der sofort beginnt auf Französisch zu sprechen, ununterbrochen, so dass wir nicht einmal die Chance haben ihn darauf hin zu weisen, dass wir ihn nicht so ganz verstehen könnten. Plötzlich hört er auf zu reden und schaut uns fragend an. Wir erklären ihm dass wir in nicht verstehen könnten weil wir aus Deutschland kommen würden. Er überlegte kurz und sagte: „ Ahhhhh Germany“. Dann fragte er uns in gebrochenem Englisch, gefüllt mit etwas Französisch, ob es bei uns gutes Bier geben würde, bevor er wieder anfing Französisch zu reden, sich von uns verabschiedete und weiter ging.

Seit Mitte Belgien fahren wir auf einer Art Fahrradhighway, auf diesem Weg fahren wir durch ganz Belgien was uns die Navigation unwesentlich erleichtert. Langsam kehren auch die Berge ein so werden plötzlich ganz schön viel Höhenmeter hinter sich gelassen.

„Die hässlichste Stadt der Welt“

Wir erreichen Charleroi oder wie sie auch gennant wird „Die hässlichste Stadt der Welt“ und sie macht ihrem Namen alle Ehre. Die drittgrößte Stadt in Belgien begrüßt uns mit abgebrannten Autos in den Gassen und keiner Menschenseele in den Straßen. Wundern tut mich das nicht, im Nachhinein wären wir dort wahrscheinlich nicht durch gefahren, schon garnicht zu dieser Uhrzeit.

Viele der Wohnblocks besitzen keine Fenster oder nur noch eingeschlagene. Eine extreme Armut. In solchen Momenten wird mir immer wieder bewusst in was für einer Welt ich lebe. In einer Welt mit Luxus, einem Haus mit Fenstern, einem Handy, warmen Essen, einem Arbeits- oder Schulplatz und keinen finanziellen Sorgen. So bin ich aufgewachsen und so kenne ich es, dass das nicht die Realität für jeden Menschen auf der Welt ist war mit klar aber man muss es gesehen haben um wirklich eine Ahnung davon zu bekommen wie es anderen Menschen auf der Welt geht.

Wir fahren durch unvorstellbar riesige Industriegebiete die an eine qualmige Hafenstadt aus einem alten Film erinnern. Mittlerweile ist es dunkel. Ich bekomme Angst dass wir es hier nicht mehr raus schaffen doch schließlich erreichen wir um 22 Uhr endlich ein paar Vororte die wir uns mittlerweile wieder sehnlichst zurückwünschten. Wir gelangen nach Frankreich und beschließen am nächsten Tag weiter zu fahren. 

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