Wandern in Berchtesgaden
Im Grunde ist der Herbst die schönste Jahreszeit zum Wandern. Die Blätter der Bäume sind bunt und leuchten in herbstlichen Farben. Die Sonne ist nicht zu warm und es ist gerade so nicht zu kalt um den ganzen Tag draußen zu sein.
Ich mochte den Herbst nie besonders, denn hier im Norden, wo ich zuhause bin, ist der Herbst durch die nahe Lage zum Wasser viel mehr durch Regen und Sturm geprägt. Dafür ist der Sommer hier am Strand traumhaft schön. Ich habe aber gelernt, dass der Herbst nicht nur von Regen und Wind geprägt sein muss, sondern genau im Gegenteil wunderschön sein kann, sogar wenn es mal regnet.
7 Tage in den Bergen
Berchtesgaden ist eine kleine Stadt welche unten rechts, im letzten Zipfel von Deutschland liegt. Der Ort ist vor allem für den Königsee bekannt, Touristen wo man hinschaut und eine malerische Landschaft. Um den See herum gibt es einige Wanderrouten die in verschiedene Schwierigkeitsstufen eingeteilt sind.
Wir sind recht spontan dort hingefahren und wussten daher noch garnicht wirklich, wo es eigentlich lang gehen soll. Das war aber überhaupt nicht schlimm, im Gegenteil, denn die schönsten Erinnerungen entstehen meist aus Spontanität.
Wir haben ziemlich schnell festgestellt, dass es, wenn man erstmal ein paar Meter von den Touristen HotSpots weg ist, nicht nur schlechtes Netz gibt, sondern gar keins. Das mit der Handy-Navigation hatte sich also spätestens da eh erledigt. Schön mal eine Woche nicht erreichbar zu sein!
Ankunft und Einkauf
Abends kommen wir mit dem Zug am Hauptbahnhof von Berchtesgaden an, auf dem Rücken unser Rucksack, voll bepackt mit allen Dingen die man auf einer Wanderung dabei haben sollte. Wir machen uns auf den Weg um Proviant für den Rest der Woche einzukaufen. Der Einkauf macht den Rucksack leider nicht gerade leichter. Eine Nacht wollen wir nun noch auf einem, vom Bahnhof etwas entfernten, Campingplatz verbringen. Die 4 Kilometer dort hin sind allerdings alles andere als schön. 11 Stunden Zug fahren und mitten in der Nacht, mit einem noch viel zu schweren Rucksack zu einem Campingplatz laufen…
Etappenstart
Doch als ich am nächsten Morgen aus meinem Zelt schaue ist alles vergessen. Wir waren im Dunklen angekommen und hatten von alle dem was uns bereits umgab noch gar nichts mit bekommen. Riesige Berge, eingetaucht in den morgendlichen Herbstnebel, erstrecken sich vor unseren Augen.
Gelb, blau, rot oder schwarz?
Wir starten in unsere erste Etappe. Am Königssee geht es dann endlich richtig los ohne zu wissen was uns erwartete. Für den ersten Tag nahmen Jannik und ich uns den Jenner als Ziel. Der Jenner liegt in 1800 Metern Höhe und der Weg dort hin gehört zu den roten Wegen. Die Routen sind in gelb, blau, rot und schwarz eingeteilt. Rot heißt hier soviel wie trittsicher und fit. Diese Routen sind für uns gut zu meistern und machen dabei wahnsinnig viel Spaß, denn ein bisschen forderten sie uns hier und da doch heraus.

Weiter und weiter…
Wandern mit einem großen und schweren Rucksack auf dem Rücken ist dann doch was anderes, stellen wir nach den ersten paar Kilometern fest. Die Steigung der Straße ist extrem, aber die Aussicht belohnt ein immer wieder und motiviert uns zum weiterlaufen.



Es wird allmählich dunkel und die eh schon leeren Wanderwege sind wie ausgestorben. Wir treffen auf einen alten Mann mit dem wir sofort ins Gespräch kommen. Er erzählt uns begeistert von seinen Kindern und gibt uns einige Tipps für die nächsten Tage mit. Es bildet sich also auch bei uns langsam ein Plan von einer Route und ein Gefühl von dem was wir da vor haben.
Achtzehnhundert achtundfünfzig
Wir laufen nicht ganz bis zum Gipfel, sondern suchen etwas unterhalb von diesem, einen geeigneten Schlafplatz. Auf Komoot entdecken wir ein gekennzeichnetes Steinhäuschen aus dem Jahr 1885. Der Weg dort hin ist ein kleines Abenteuer was sich alle mal gelohnt hat. Auf der kleinen Lichtung vor dem Unterstand zog bereits der Herbstnebel hoch und mit dem Nebel auch die Kälte. Unheimlich in dieser Stille zu schlafen und gleichzeitig so beruhigend.



