Frankreich

Wir wachen von der Hitze in unserem Zelt auf. Unser Plan ist es den Tag auf dem Campingplatz zu verbringen und erst am Abend weiter zu fahren, denn bei 40 Grad ist es uns nicht möglich unseren Weg fort zu setzen. Es lässt sich nicht einmal im Schatten aushalten. Zu gerne wäre ich jetzt in einem kühlen Haus in dem ich den ganzen Tag verbringen könnte und keinen Fuß vor die Tür setzen muss, aber uns bleibt keine andere Möglichkeit als die Hitze draußen auszusitzen. Um unseren Körper zu kühlen machen wir unsere Klamotten nass und zogen sie wieder an, auch wenn es nicht lange dauert bis sie wieder trocken sind.

Höher und höher

Am Abend sind es immer noch 36 Grad, losfahren müssen wir aber trotzdem. So genießen wir den Sonnenuntergang in dem Gedanke dass es endlich kühler werden würde. Die Höhenmeter nehmen weiter zu. Wir halten neben einem Grundstück in einer dunklen Gasse, mittlerweile ist es 24 Uhr und nur noch ein paar Straßenlaternen leuchten uns hier und da den Weg.

Hinter dem Tor des Grundstückes ertönt ein lautes Hundegebell. Das war für uns nichts Neues, denn es war nicht ungewöhnlich dass uns Straßen Hunde hinterher liefen aber diesmal war es anders. Das bellen klang hasserfüllt, als wollte er nichts gutes von uns, im Gegenteil. Das Einzige was mich beruhigte war das Tor zwischen uns.

Das war’s…

Der Hund nahm immer wieder Anlauf und rannte gegen das Gatter was mit Kette und Schloss verriegelt war. Plötzlich reißt die Kette und das Tor springt auf. Mit gefletschten Zähnen und dem immer noch angsteinflößenden Bellen rennt das Tier auf uns zu. Wie erstarrt stehen wir da, „das war’s, das würden wir nicht überleben“, dachte ich. Einen Meter vor uns bleibt der Hund stehen, als würde sich ein riesiger Zaun vor ihm erstrecken. Ich weiß nicht warum er stehen geblieben ist aber wäre er weiter gelaufen wäre es nicht gut ausgegangen. Schnell sprangen wir auf unser Rad. Mir laufen ein paar Tränen über die Wange und es dauert noch einige Minuten bis ich mich von dem Schock erholte.

Nach Regen folgt Sonne…

Wir treffen an unserem Campingplatz ein. Kaum liegen wir im Zelt fängt es an zu regnen. Der erste Regen, das war ein gutes Zeichen denn das bedeutete es würde kühler werden. Auch am nächsten Tag regnete es ununterbrochen aber alle Taschen hielten Dicht und immerhin fuhren wir den ganzen Tag an dem wunderschönen „Canal Lateral a L’Oise“ entlang. Am Abend erreichten wir die wunderschöne Hafenstadt Noyon.

Auf ein letztes Mal…

Unsere letzte Nacht vor Ankunft in Paris. Ein letztes mal Nudeln essen. Irgendwie scheint es nicht real Morgen aufzustehen und am Abend in Paris zu sein. Es fühlt sich so an als wären wir gerade erst los gefahren.

Wir lassen die letzten Tage noch einmal Revue passieren bevor wir am nächsten Morgen, früher als sonst, aufbrechen. Wir haben noch einige Kilometer vor uns und müssen immerhin durch gesamt Paris plus Vororte fahren, was uns erfahrungsgemäß etwas Zeit kosten würde. Wir sollten recht behalten, die Orte und Industriegebiete nahmen kein Ende. Mit dem Auto fährt man von der Autobahn direkt nach Paris. Mit dem Fahrrad allerdings durch jedes Viertel.

Die traurige Wahrheit

Traurig zu sehen wie die Menschen dort Leben und dass so eine große Stadt auch immer solch eine Kehrseite mit bringt um zu überleben. Besonders hier müssen wir auf unsere Sachen aufpassen denn dort bekommt man erst mit dass man beklaut wurde wenn es zu spät war. Die Armut und Lebensverhältnisse die dort herrschen lassen meinen Blick auf Paris ändern und ich bin froh darüber die Realität zu kennen. Die traurige Wahrheit.

Tatsächlich der Eifelturm

Nach den längsten vier Stunden der Tour erreichen wir endlich das Herz von Paris. Alte wunderschöne Gebäude begrüßen uns und in der Ferne die Spitze des Eiffelturms. Ich wollte schon immer nach Paris, jetzt steh ich hier und realisiere nicht wirklich wo ich bin, freuen kann ich mich auch nicht. Warum weiß ich nicht, vielleicht weil die letzte Etappe wohl die härteste war, weil die Hitze kaum auszuhalten war und ich von oben bis unten von Sonnenbrand übersehen war und weil ich mir die Einfahrt nach Paris ganz anders vorgestellt hatte, romantischer oder zu mindestens schöner, das war sie nicht aber wir stehen tatsächlich mit unserem Fahrrad vor dem Eiffelturm.

Endlich aufatmen

Als wir endlich auf unsere Campingplatz unser Zelt aufgeschlagen haben, können wir endlich aufatmen. Es dauerte nicht lange und auch die Freunde breitete sich immer weiter aus. Wir hatten es geschafft und das ohne auch nur einmal darüber nach gedacht zu haben umzukehren.